Radio Schöneiche

Das Viertel am Sonnabend

Bilder aus dem Telefon:

Spedition

Fischverkäufer an der Hauptstraße

Wahlkämpfer auf dem Heimweg (Links das Palmengebiet ist abgesperrtes Gelände der Luftwaffe. In diesem Dschungel soll seit 20 Jahren ein großer Drogenboss hausen. Genau sagen kann das aber niemand, da sich nicht mal die Polizei da reintraut.)

Unten mittig im Bild sieht man die Eigenarten der Straßen von São Luís: durch fehlende Kanalisation + sehr soften Straßenbelag verwandeln sich die Kreuzungen alle in Furten. Selbst in der Trockenzeit.

Evangelist mit Lautsprecher-Fahrrad

Das Haus, das Verrückte macht

Berichte über den brasilianischen Bürokratiewahnsinn stellen ja inzwischen ein eigenes literarisches Genre dar. Deshalb will ich hier nicht auch noch in dieselbe Kerbe hauen, sondern verweise lediglich auf das Gesamtwerk von Ephraim Kishon. Da ist alles gesagt.

Was dann aber doch manchmal verblüfft, ist, wie nah beieinander Glück und Verzweiflung liegen können.

Interessanter Fall im Amt

Während sich um meinen (lustiger Ausländer) Fall langsam eine Traube von interessierten Mitarbeitern bildet (siehe Bild), wird der Mann am Nebentisch tretend und schreiend von zwei Sicherheitsmännern nach draußen begleitet. (Das wollte ich dann nicht fotografieren.) Er war wohl schon seit zwei Jahren erfolglos dabei, ein Amtsproblem zu lösen.
In den Blicken von uns Übrigen eine Mischung aus Schauder und Schaulust, und der Gewißheit: das können das nächste Mal genauso gut wir sein.

Die Dilma von Maranhão

Schon vor etwas längerer Zeit erschien im Estado de São Paulo ein Artikel, der sehr treffend die Situation im Maranhão kurz vor der großen Wahl am 3. Oktober darstellt.

Vielen Dank an Eugênia Lopes für die Erlaubnis zur Übersetzung und Veröffentlichung

[Die Abkürzungen sind Parteinamen, alle Kursivsetzungen sind von mir, das Bild ist aus dem Pressematerial von Roseana Sarney]


Die Dilma von Maranhão

v.l.n.r.: Dilma Rousseff – Präsidentschaftskandidatin, Roseana Sarney – Gouverneurskandidatin zur Wiederwahl, Lula – Präsident

In einem Wahlkampf, in dem niemand es wagt, Lula schlecht zu machen, entwickelt sich Roseana Sarney zum Klon der Präsidentschaftskandidatin Dilma Rousseff.

Mittwoch, kurz nach 14 Uhr: Roseana Sarney, Gouverneurin von Maranhão und Kandidatin zur Wiederwahl entsteigt einem blütenweißen Hubschrauber. Ort des Geschehens: die kleine, verstaubte Stadt Nina Rodrigues, mit ein wenig mehr als zehntausend Einwohnern und 175 km von São Luís entfernt. Es ist ein weiterer Tag des opulenten Wahlkampfs der PMDB-Frau, die den Präsidenten Luiz Inácio da Silva und die Präsidentschaftskandidatin Dilma Rousseff zu ihren Wahlkampfverbündeten zählt.

Roseanas gesamter Wahlkampf, die Wahlwerbung im Fernsehen: alles ähnelt so sehr dem Programm von Dilma, als wäre es geklont. Genau wie die PT-Kandidatin wird auch Roseana als „Kriegerin“ dargestellt. Auch die vorherrschende Farbe ist rot. „Das ist Zufall“, sagt Roseana, die den Marketingbeauftragten Duda Mendonça als Wahlkampfberater eingestellt hat. Dilmas Kampagne wird von João Santana betreut.

Noch augenscheinlicher als Dilma ist Lulas Anwesenheit in der Kampagne. „Ich bin Dilma, ich bin Roseana“, sagt Lula gleich zur Eröffnung des Wahlwerbespots und gibt auch gleich den Moderator. „Wähle Dilma als Präsidentin und Roseana als Gouverneurin“, fügt Lula hinzu. „Roseana und Dilma haben mir viel geholfen. Ich bitte das Volk von Maranhão, Dilma als Präsidentin zu wählen und Roseana als Gouverneurin.“ Lula bittet ebenfalls um die Wiederwahl von Senator und Ex-Minister Edison Lobão (PMDB), „ein guter Freund“, sowie von João Alberto (PMDB), einem weiteren Verbündeten der Sarneys, der für den Senat kandidiert.

Der Bundesstaat mit den schlechtesten Sozialindizes des Landes steht seit vier Jahrzehnten unter dem Kommando der Sarney-Oligarchie. Maranhão ignoriert schlicht und einfach die Anschuldigungen gegen den Clan. Mit Ausnahme des Senatskandidaten Paulo Rios (PSOL) spricht niemand von den Skandalen, die den Patriarchen, Senator José Sarney (PMDB-AP) und Roseana selbst involvieren – vor zwei Wochen zum Beispiel enthüllte der Estado Akten der Santos-Bank, die darauf hinweisen, daß die Gouverneurin und ihr Mann, Jorge Murad 2004 ein Darlehen von 4,5 Millionen Reais simuliert hatten, um 1,5 Millionen US-Dollar zu retten, die sie im Ausland besitzen. „Sie (die Sarneys) sind wie Indianer: nicht zu bestrafen“, sagt José Reinaldo, (PSB), Ex-Gouverneur und Ex-Verbündeter der Sarneys.

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Geschafft!

Erste Knorkator-Fans in Brasilien:

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